Sanduhr-Euer Jetzt kann morgen gut sein oder beschissen

Euer Jetzt kann morgen gut sein oder beschissen

Ein Gastartikel von Georg Rittstieg

Wir waren ein Paar.

Und der Tod kam, bevor die Liebe kam.

Wir lernten uns kennen in einer Buchhandlung. Wir arbeiteten beide dort: Sie an der Kasse, ich im Verkauf. Und eines Tages, wir waren beide im Stress, krachte sie im Laufschritt in mich hinein. Wenig begeistert machte ich meinem Unmut darüber Luft.

Was für eine Begegnung: Das Leben lässt uns zusammenkrachen und ich pöble sie an. Mit schlechtem Gewissen stand ich dann an der Kasse und lud sie zum Eis ein. Wollte sie um Entschuldigung bitten für meine Laune.

Und dieses Eis sollte unser Leben verändern. Wir lachten beide über den Vorfall, aber schliesslich würde er ja passen, so unfähig wie wir uns selbst sahen. Beide frisch geschieden, beiden glaubten von sich selbst, gescheiterte Existenzen zu sein.

Cola light ballert mehr

Und so freundeten wir uns an und trafen uns jeden Feierabend zu einem Jammer-Eis und der ewig gleichen Erkenntnis, kaputt zu sein. Natürlich begleitet von viel Lachen und Herzlichkeit. Das Leben selbst wurde unser Thema. Und so traute ich mich dann auch eines Tages zu fragen, warum sie soviel Tabletten schlucken würde. Mit Cola light auch noch.

„Cola light ballert mehr!“, war die schlichte Antwort. Warum soll Cola ballern und wozu die Tabletten? Ich war verwirrt und erfuhr, dass sie täglich heftige Kopfschmerzen habe. Schwindelanfälle. Und die Hormone auch durcheinander seien.

„Hast Du das mal untersuchen lassen?“

„Ja, habe ich!“

Und ihre so großen braunen Augen schauten mich dunkel an. Verzweifelt. Irgendwie friedlich und zugleich fragend. Und was dann kam, lies mir die Tränen über die Brille spritzen:

„Ich habe einen Hirntumor, Georg. Endstadium.“

Mir fehlten die Worte. Wusste nicht mehr, was ich sagen kann. Angesichts des Todes ist die Sprache am Ende ihrer Möglichkeiten. Ich schaute in ihre Augen, verlor mich darin. Und was fand ich: Puren Frieden. Sie hatte offensichtlich Frieden gefunden mit dem Unausweichlichen. Der Tod hat neben ihr am Tisch Platz genommen und sie akzeptierte ihn.

Wozu nochmal kämpfen? Ich will leben!

Ich erfuhr, dass sie schon den zweiten Hirntumor hatte. Beim ersten war sie den klassischen Weg gegangen, mit Chemo Therapie und allem, was dazu gehört. Und diesen Kampf, dieses Leiden wollte sie nicht mehr.

„Ich habe nicht mehr viel Zeit. Und in dieser Zeit will ich nicht mehr kämpfen, sondern LEBEN, so gut es halt geht!“

Also keine Chemo, keine Therapie, sondern Leben pur. Deshalb arbeitete sie auch, sie wollte „nicht auf dem Sofa auf den Tod warten“, sondern mitten im Leben abgeholt werden von diesem Gesellen, der sich an ihre Fersen geheftet hatte.

Ihre Entscheidung, ihr Weg. Ich war fassungslos und zugleich tief beeindruckt, wieviel Frieden und Ruhe aus ihr sprach. Wir freundeten uns mehr und mehr an.

Mit einer Sterbenden? Bist du wahnsinnig?

Es passierte, was du längst ahnst: Wir wurden ein Paar. Hatten schon viele freundschaftliche Nächte zusammen verbracht und spürten, was es dafür brauchte: Liebe. Und diese Liebe war innig und unendlich tief.

Mein Umfeld allerdings war wenig begeistert. Ich wurde wiederholt gewarnt und gefragt, ob ich sicher sei, mit einer Sterbenden eine Partnerschaft einzugehen. Das habe ja keine Perspektive. Ich war erschüttert, was sollte ich denn sonst tun, außer ehrlich mit mir selbst zu sein und mich meiner Liebe zu stellen? Ich wollte jeden einzelnen Moment mit diesem magischen Wesen verbringen, auch wenn der Tod uns immer begleitete. Es hiess, sie habe nur noch wenige Wochen zu leben.

Zwei Dinge sind mir dabei klar geworden:

  • Wieso geht man eine Partnerschaft ein und achtet dabei auf die Perspektive? Also ein Irgendwann, ein fernes Später? Und was soll da dann sein, in dieser späten Zukunft? Ist dann mehr Liebe, ein größeres Carport oder ein „Guck mal Nachbar, wir sind ja schon lange ein Paar“? Oder wie? Heute funktionieren wir, bauen uns etwas auf und in einigen Jahren, dann fangen wir an zu genießen und zu leben? Also unser heutiges Glück wird in die Wartezone geschickt, bis wir es in vielen Jahren dann aufrufen? Was, wenn sich die heutige Magie dank ewigem Funktionieren klammheimlich verdrückt hat? Dann kannst Du in Deinem fetten Carport alleine grillen.
  • Die zweite Tatsache war immer meine Antwort an die Warnenden: „Weißt du, was der Unterschied ist, zwischen ihr und dir? Sie hat ein Datum, du hast keines. Sie weiß, sie muss bald gehen – und lebt. Und du glaubst, ewig zu leben, siehst dein fernes Später als Ziel und lebst nicht. Dabei könntest du theoretisch noch früher tot sein als sie!“

Und dann wollte sie echt Gas geben. Zum Glück hatte ich nur ein Sofa und das nutzen wir zum Schlafen. Dort konnten wir also nicht sitzen und auf den Tod warten. Nein, sie wollte leben. Pur. Intensiv.

Cape diem – bis der Arzt kommt

Also keine Chemo, keine Therapie, sondern Leben leben. So gut es ging. Und genau das taten wir auch. Wir lebten das berühmte ‚carpe diem’ gnadenlos. Was sollte uns bedrohen dabei? Etwa ihr Tod, einige Tage früher? „Macht nix, dafür habe ich dann gelebt!“

Die Ärzte verboten die Berge, Flugreisen, Alkohol, schlaflose Nächte. Aus deren Sicht berechtigte Hinweise, aus ihrer Sicht überflüssig. Wir waren in den Bergen, wir flogen in den Urlaub, feierten täglich unsere „letzte Party“ bei gutem Wein und leckerem Essen, weil „ich vermutlich morgen tot bin!“

Und ja, die Nächte waren oft schlaflos. Nicht nur der Zärtlichkeiten wegen, sondern der großen Angst wegen, dass sie morgen früh nicht mehr aufwacht. Und ich meinen Kaffee alleine trinken muss. Ja, ich hatte bisweilen gewaltige Angst.

Wir schaffen uns echte Momente

Natürlich sprachen wir über unsere Ängste. Bei allem Frieden mit dem nahen Tod wollte ich mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Und da entdeckten wir, was wir uns geschaffen hatten: Momente. Gemeinsame Momente. Und so saßen wir oft zusammen und schwelgten in diesen Momenten. Erinnerten uns, lachten nochmals, freuten uns und stießen darauf an. Selbst wenn es nur kurze Momenten waren – sie gaben uns Kraft und Mut und Freude, sie lenkten uns ab von der Angst. Und sie trugen uns.

All diese Momente, die wir uns geschaffen hatten waren nüchtern betrachtet, kleine Momente. Sie waren nicht die übertriebene Idee vom Trip nach New York oder der Sprung mit Gummi-Seil vom Wolkenkratzer. Alles was wir brauchten waren wir selbst. Wir brauchten uns und das Leben. Und wenn es das gemeinsame Lachen über die freche Krähe war, die versuchte, einen gestohlenen halben Döner wegzuschaffen und dabei des Gewichtes wegen dauernd abstürzte. Oder die heimlichen zärtlichen Nächte am See, wo wir mit Wein bewaffnet dem Mond unsere Sehnsüchte anvertrauten.

Es brauchte uns selbst und das Bewusstsein, dass tatsächlich jeder Moment ein Geschenk sein kann – je nachdem, wie wir ihn sehen und werten.

Also nahmen wir uns genau dafür die Zeit. Und gaben uns dem Fluss des Lebens hin, lauschten den feinen uns leisen Tönen, freuten uns, wenn es lauter und heftiger wurde und genossen die Stille. Das Leben ist unglaublich zärtlich und kraftvoll zugleich orchestriert, man muss sich nur die Zeit nehmen und lauschen. Mit dem Herzen.

Wunder brauchen wohl auch Momente

Monate später lebte sie immer noch. Weder die Ärzte noch wir konnten das glauben. Also stand ein CT auf dem Plan, ein Scan ihres Gehirns um zu sehen, was der Tumor so tut.

Eine der schlimmsten Wochen meines Lebens begann. Die Aufnahmen sind sofort sichtbar. Aber bevor ein Arzt das Sichtbare ausgewertet hat, durften wir das Ergebnis nicht wissen. Eine Woche später fuhr sie in die Klink, „ich will mein Urteil alleine abholen“. Ich wartete zu Hause, rannte im Kreis und hatte die Panik meines Lebens vor dem Anruf. Minütlich checkte ich mein Telefon, prüfte Empfang und Akku.

Dann klingelte es. Jetzt war alles oder nichts angesagt, null oder eins, entweder, oder. Noch bevor ich etwas sagen konnte, hörte ich ihr Jubeln: „Ich bin gesund! Ich bin gesund! ICH LEBE!!“

Meine Oma wartete genauso gespannt auf den Anruf. Ich schaffte nur noch ein „Sie ist gesund!“, dann versagte mir die Stimme und bei meiner Oma und mir brachen die Dämme.

Tumor weg – Momente noch da

Sie ist gesund. Auch heute noch. Jahre später. Sie lebt woanders, nach sieben gemeinsamen Jahren ließen wir uns in tiefer Liebe und Zuneigung scheiden.

Was sie mir später einmal sagte, wurde für mich zum Versprechen, dass ich genau das, diese Kraft und diese Chance mit möglichst vielen Menschen teilen möchte, damit sie alle ihr Leben leben, mit den Herzen lauschen und erkennen, dass Liebe und Leben immer JETZT stattfinden:

„WEIL WIR UNS ALL DIESE MOMENTE GESCHAFFEN UND

NICHT AUF DEN TOD GEWARTET HABEN, HATTE ICH KRAFT, MUT UND LEBENSFREUDE!“

Warum der Tumor verschwunden war, weiß zuletzt niemand. Für sie aber ist klar, dass unser carpe diem, unser leben im Jetzt, einen echten Beitrag dazu geleistet haben.

Wenn Du magst, dann lade Dir meine 21Ideen für Euer Cape Diem jetzt runter. Den Link findest du weiter unten. Wenn Ihr betroffen seid und der Tod mit an Eurem Tisch sitzt, dann lade es Dir genauso runter, wie wenn der Tod gerade kein Thema ist. Leben und Liebe finden so oder so immer im JETZT statt.

In tiefer Liebe,

Georg | Brandstifter der Liebe

P.S.:

Spannend übrigens: Erst Jahre später habe ich die Ergebnisse meiner Umfrage wirklich begriffen. Ich hatte diese Umfrage am Hamburger Flughafen gemacht. Jahre, bevor sie in der Buchhandlung in mich hineinkrachte. Ich befragte alte Ehepaare, die ein Leben lang zusammen waren und jetzt eine Weltreise machten, nach ihrem Rezept, ein Leben lang zusammenzubleiben. Interessant war: Es antwortete immer der Mann. Noch interessanter war, dass die Antwort immer dieselbe war. Als hätten sich alle Paare, und es waren viele, abgesprochen:

„Junger Mann, nimm es nicht einen einzigen Tag für selbstverständlich! Niemals. Und: Bringe ihr die Blumen nicht nur am Hochzeitstag mit!“

Wenn Du also willst, lade Dir meine 21Ideen schnell herunter. Denn Liebe ist JETZT!

Link zu den 21 Ideen:
https://brandstifter-der-liebe.de/vom-Tod/21ideen-fuer-eure-zeit-vor-dem-tod/

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